Ich hab’s getan! Am vorletzten Samstag war ich bei meinem ersten Barcamp in Stuttgart. Nachdem ich schon häufiger über diese Art der Veranstaltung gestolpert bin, mich aber nie überwinden konnte mir auch tatsächlich ein Ticket zu kaufen, habe ich genau das in einem übermütigen Moment irgendwann im Sommer 2015 getan. Und nachdem ich auch gleich lautstark darüber getwittert und gefacebookt habe – ich sagte ja: ein übermütiger Moment – konnte ich dann auch fast nicht mehr zurück. Heute also mal ein ganz persönlicher Artikel.
Die Tage vorher merkte ich, wie ich immer nervöser wurde. Ich war so aufgeregt, dass ich in der Theaterprobe am Abend zuvor mal eben meinen kompletten Text durcheinandergeworfen habe. Der Samstag kam und ich wollte nach weniger als 5 Stunden Schlaf den Wecker am liebsten teeren, federn und dann vierteilen. Irgendwie habe ich es geschafft, mein Auto unfallfrei zum Bahnhof Zuffenhausen zu bringen und tatsächlich in die richtige S-Bahn ein- und an der richtigen Haltestelle wieder auszusteigen. Auf der Rolltreppe nach oben hatte ich dann den Gedanken, einfach umzudrehen. Nur ist das – im Nachhinein glücklicherweise – auf einer Rolltreppe ziemlich blöd, vor allem, wenn noch so viele Leute hinter einem stehen.
Raus aus der Komfortzone, Neues entdecken!
Zugegeben, an sich ist so eine Veranstaltung ja keine große Sache und es ist ja auch nicht so, dass ich nicht beim Theater spielen oder Musik machen häufiger in der Öffentlichkeit stehen würde. Aber da bin ich eben in einem mehr oder weniger gewohnten Umfeld. Das Barcamp hingegen war etwas völlig Neues für mich: Raus aus der Komfortzone, rein in eine Veranstaltung mit lauter fremden Menschen. Und da ist dann eben immer die Angst, etwas Dummes sagen zu können. Mit meinem Gespür für Fettnäpfchen ist das zumindest nicht auszuschließen.
Wie froh war ich, als ich schon in der Schlange beim Einlass das erste bekannte Gesicht sah: Frauke, die mir im Vorfeld immer wieder Mut gemacht und gut zugeredet hat. An sie hab ich mich dann auch gleich rangehängt, um nicht gleich am Anfang irgendwie blöd dazustehen und womöglich doch das Weite zu suchen. An Frühstück war natürlich nicht zu denken, aber Kaffee musste schon sein. Währenddessen trafen wir dann auch auf Tamara, das zweite bekannte Gesicht. Und wir schlossen auch schon die ersten neuen Bekanntschaften. So langsam wurde ich innerlich ein ganz kleines bisschen ruhiger. Kurzzeitig zumindest.
Wer bin ich, und wenn ja: Wie viele?
Denn dann ging’s an die Eröffnung und – oh Schreck! – an die Vorstellung. Die ist ja glücklicherweise relativ genau festgelegt: Man muss nur seinen Namen nennen und drei Tags, die einen beschreiben bzw. mit Themen, die einen beschäftigen, was man macht. Schon beim Einlass musste ich drei Tags (zusammen mit meinem Namen und meinem Twitter-Namen) auf einem Kärtchen notieren, das man sich dann um den Hals hängt. Und schon da hatte ich so meine Schwierigkeiten damit: Schreiben, online und? Es gäbe so viel. Während der Vorstellungsrunde hatte ich mich dann auf drei Tags geeinigt: Schreiben, Tech-Bloggerin und noch etwas Drittes. Das habe ich aber dann tatsächlich im Eifer des Gefechts vergessen (und es ist immer noch weg). Immerhin gab’s für den Tag „hab ich vergessen“ ein paar Lacher – und wenn ich ehrlich bin: Verdammt, das trifft’s total auf den Punkt! Ab dem Moment war dann auch das Eis gebrochen und ich begann, mich ein kleines bisschen zu entspannen. Inzwischen hatte ich mit Franka auch noch ein drittes bekanntes Gesicht gesehen.
Über den genauen Ablauf eines Barcamps möchte ich hier gar nicht so detailliert berichten, das haben andere schon getan und warum sollte ausgerechnet ich das Rad neu erfinden? Wer’s genauer wissen will, dem lege ich dieses Video von „Mr. Barcamp“ Jan Theofel ans Herz. Er hat unter anderem auch das Barcamp Stuttgart organisiert und kann sehr gut erklären, worum es geht. Mir geht’s heute tatsächlich nur um einen Erfahrungsbericht.
Wo sonst gibt’s so viel geballtes Wissen auf einmal?
Ganz ablegen konnte ich die Nervosität nicht. Und ich hab mich auch nicht getraut, selbst eine Session zu halten. Aber ich habe den Tag relativ gut überstanden (und hoffentlich auch niemanden genervt, wenn ich zwischendrin mal mit einem Redeschwall übersprudelte). Es gab viele tolle, spannende Informationen und geballtes Wissen. Und ich durfte nicht nur ein für mich völlig neues Veranstaltungsformat, sondern vor allem auch einige wunderbare Menschen kennenlernen. Selten ist mir das so leicht gefallen. Denn auch wenn ich den Eindruck hatte: Die kennen sich ja schon alle – es gibt wohl keine andere Veranstaltungsform, bei der man so ungezwungen mit anderen ins Gespräch kommt. Und zwar auch dann, wenn man wie ich Fremden gegenüber erst mal eher schüchtern ist. Somit ist ein Barcamp also auch für introvertierte Menschen eine super Sache.
Verdammt nochmal, tu’s einfach!!!
Wenn ich heute so drüber nachdenke, dann bin ich wirklich mehr als froh, dass ich meinen inneren Schweinehund überwunden habe und zum Barcamp Stuttgart gegangen bin. Es war mit Sicherheit nicht das letzte Mal! Dann neben Wissen und neuen Bekanntschaften habe ich noch etwas mitgenommen: Ein kleines Stückchen Stolz und Selbstvertrauen. Einfach dafür, dass ich mich und meine Ängste, meine Zweifel überwunden habe und genau das getan hab, was ich im letzten Artikel zum Thema Videos auch geraten habe: Ich hab’s einfach gemacht! Und genau das sollte man viel häufiger tun: Einfach machen, und weniger nachdenken.
P.S.: Weil’s ohne die tollen Sponsoren nur halb so gut gewesen wäre, sollen auch sie hier ihren Platz finden:
Was bin ich froh, dass es dir gefallen hat (wobei, ich hatte keinen echten Zweifel daran ). Irgendwie finde ich es sehr lustig / interessant, dass wir Introverts vor so nem Barcamp so ein Geschlottere kriegen … und dabei ist die Veranstaltungsform viel angenehmer als die meisten Kongresse, die ich so besucht habe. Denn wie du ganz richtig schreibst – man kommt superleicht mit den anderen Teilnehmern ins Gespräch.
Machen wir wieder, gell ?
Im Nachhinein kann ich ehrlich sagen, dass ich mir schon mehr fehl am Platz vorgekommen bin 😉 Und ja, definitiv wieder! Hab mir schon den Termin fürs nächste Jahr im Kalender notiert. 🙂