Warum dauert das so lange?

Oder: Was ein guter Text mit einem guten Single Malt Whisky gemeinsam hat

Kunden sind manchmal ein bisschen wie kleine Kinder auf dem Weg in den Urlaub. Mein „Sind wir schon dahaaaa?“ klingt eher so: „Ist der Text schon fertig?“ Und manchmal auch wie „Ich hätte den Text dann gerne so schnell wie möglich, geht’s morgen?“ Mir liegen dann Antworten auf der Zunge wie „Klar, aber dann wird’s doppelt so teuer und ist nicht halb so gut, wie’s sein könnte“ oder an manchen Tagen auch ein trotziges „Ja glaubst du denn ernsthaft, ich sitze hier und drehe Däumchen und warte, bis du mit einem Auftrag um die Ecke kommst???“ Wie lange benötigt ein Text? Dieser Frage gehe ich heute auf den Grund.

Was denkst du eigentlich, was ich den ganzen Tag tue?

Weil das nervt, ich aber wenig dagegen tun kann, muss ich’s wenigstens mal aufschreiben und ein bisschen Dampf ablassen. Gleich vorweg: Nein, ich sitze nicht da und warte, bis der nächste Kunde ums Eck kommt. Und es ist halt einfach so: Wer als erstes kommt, mahlt zuerst. Das heißt, wenn du mir heute einen Auftrag vergibst, habe ich im Normalfall noch zwei, drei, vier andere Aufträge, die vorher dran sind. Und mal ganz ehrlich: Es geht hier nicht um Leben und Tod.

In der Notaufnahme verstehe ich ja, dass man jemanden mit einer stark blutenden Kopfwunde vorzieht und derjenige, der mit einem verknacksten Knöchel dasitzt, etwas länger warten muss, obwohl er vorher da war. Hier ist aber nicht die Notaufnahme. Und wenn’s dir heute einfällt, dass du morgen deine neue Website launchen willst, aber noch keine Texte hast – sorry, dann solltest du lernen, in Zukunft vorausschauender zu denken.

Die Tatsache, dass ich eigentlich immer an irgendwelchen Texten arbeite ist aber nicht der einzige Grund, warum du deinen Text nicht innerhalb von zwei Tagen auf dem Tisch hast. Das hat noch einen anderen Grund. Denn selbst wenn ich mit einem Auftrag anfange, ist der nicht innerhalb von zwei Tagen fertig. Oder sagen wir so: In den seltensten Fällen. Das geht ab und zu, wenn ich für eine Agentur arbeite. Da ist aber das Briefing so gut, dass ich einen Text deutlich schneller fertig habe, und die Korrektur übernimmt die Agentur. Und da geht’s dann meistens auch nicht um Texte für eine Unternehmenswebsite, sondern eher um Fachtexte, Tutorials, Glossar-Artikel – ganz andere Baustelle! Und im Normalfall auch zu einem Thema, bei dem ich mich ganz gut auskenne, Logistik zum Beispiel, oder Unterhaltungselektronik, oder Reisen. Das geht dann auch mal schneller.

Texten ist nicht gleich schreiben

Wenn ich für dich aber Texte für deine Website oder einen Flyer schreibe, dann ist meine Herangehensweise eine ganz andere. Erste Ideen notiere ich meist schon während oder nach dem Briefing. Aber es ist halt einfach nicht so, dass ich mich hinsetze und mal eben schnell einen Text runterschreibe, der dir dann die mega Aufmerksamkeit bringt, tausend neue Kunden und eine Reputation, von der sich Steve Jobs ne Scheibe abschneiden könnte. Beim Texten ist schreiben eigentlich der geringste Teil der Arbeit. Denn auch wenn Viele meinen, texten wäre das gleiche wie schreiben – da muss ich leider widersprechen. Texten ist viel mehr als einfach nur schreiben. (Und mal ganz ehrlich: Wenn’s so einfach wäre, dann würdest du’s ja schließlich auch selbst machen, nich?)

Ein viel größerer Teil ist Kopfarbeit. Das heißt: Ich mache mir Gedanken. Manchmal liege ich dafür auf dem Sofa und kuschle mit der Katze. Weil ich da meine Gedanken schweifen lassen kann, weil so Ideen wachsen und reifen. Und manchmal stehe ich nachts um vier auf und gehe an den Schreibtisch oder mache mir zumindest Notizen. Weil ich aufgewacht bin und eine Idee hatte, die ich unbedingt festhalten will.

Vor dem Schreiben kommt das Konzept

Ich gehe also erst einmal gedanklich mit dir und deinem Thema schwanger. Dann geht’s an die Konzeption. Das heißt, ich erstelle ein grobes Gerüst für den Text. Dazu gehört auch, dass ich mir beispielsweise Schlüsselwörter notiere, die wichtig sind. Das können natürlich Keywords für die Suchmaschinenoptimierung sein. Aber auch bestimmte Begriffe, die dich ausmachen, die deine Kunden triggern, die zu dir und zu deinen Kunden passen.

Schreiben in mehreren Schritten

Wenn das Konzept steht, bleibt es wenn irgendwie möglich erst mal über Nacht oder auch mal ein, zwei Tage liegen. Dann gehe ich nochmal dran und verfeinere gegebenenfalls noch. Und dann fange ich an zu schreiben. Der erste Entwurf ist wie ein Rohdiamant – eigentlich schon richtig schön, aber eben noch mit viel Luft nach oben. Dieser Entwurf darf dann wieder ruhen, mindestens über Nacht, besser noch zwei, drei Tage. Dann geht’s an den Feinschliff und ich überprüfe auch, ob inhaltlich alles schlüssig ist. Das fällt einem nämlich direkt beim Schreiben nicht unbedingt gleich auf, weil man ja total tief im Thema drin ist.

Zum Überarbeiten gehört auch, nochmal genau zu schauen, ob der Text zu deiner Zielgruppe passt, sie anspricht. Denn das muss er ja, sonst könnte man es auch bleiben lassen. Da ist sehr viel Feinarbeit nötig, jedes Wort muss sitzen. Und es kann durchaus auch mal vorkommen, dass man eine Stunde an einem Wort herumdoktert und dann den Text doch nochmal eine Nacht liegen lässt, weil dieses eine verdammte Wort einfach noch nicht passt. Nach dem Feinschliff bleibt ein Text optimalerweise nochmal mindestens über Nacht liegen, bevor ich mich ans Korrigieren mache. Ein paar Tippfehler sind nämlich immer drin.

Kurz heißt nicht schnell

Übrigens: Auch wenn du nur einen kurzen Text benötigst, heißt das nicht, dass dieser Text dann schneller fertig ist. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall, denn es muss in ganz wenigen Worten alles gesagt werden, was wichtig ist. Da dauert die Arbeit am Text dann auch mal etwas länger, auch wenn ein Rohentwurf vielleicht ein bisschen schneller fertig ist. Aber der Feinschliff, der hat’s dann in sich.

Wie lange benötigt ein Text?

Du siehst also: Die Frage “Wie lange benötigt ein Text?” ist pauschal nicht zu beantworten. Ein Text braucht bei mir mindestens eine Woche, eher zwei – und zwar von dem Moment an gerechnet, an dem ich anfange. Schöner ist es natürlich, wenn ich mehr Zeit habe. Weil der Text dann mehr reifen kann und somit auch noch besser wird. Das ist ein bisschen wir mit einem guten Single Malt Whisky – der braucht auch seine Zeit, um richtig gut zu werden. Man kann ihn zwar schon nach ein, zwei Jahren trinken, aber glaub mir, ich hab’s probiert, das taugt nicht. Seinen Charakter bekommt der Whisky erst mit der Zeit. Und genauso ist es mit einem richtig guten Text eben auch.

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  1. […] Die nächste Frage, die meine Kunden oft stellen, ist übrigens: „Warum dauert das denn so lange?“ Und die Antwort darauf findest du hier. […]

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