Tipps, wie du deinen Wortschatz erweiterst

Die nicht ganz geheime Geheimzutat für richtig gute Texte? Ich verrate sie dir: Eine lebendige Sprache, ein lebendiger Schreibstil. Aber wie wird ein Text lebendig? Unter anderem durch einen großen Wortschatz. Wie du deinen Wortschatz erweiterst, dazu habe ich dir hier Tipps und Trick aufgeschrieben.

Unsere Sprache ist unglaublich vielfältig, und doch nutzen wir nur einen kleinen Teil davon. Das ist schade. Denn zum einen entgeht uns so Vieles, zum anderen ist es auch so, dass unsere Texte in der Flut dessen, was täglich auf uns und andere einprasselt schnell untergehen, wenn man sich immer nur der selben Worte und Sprachmuster bedient.

Hast du gewusst, dass für eine einfache Verständigung ein Grundwortschatz von ungefähr 1.000 Wörtern ausreicht? Mit diesen Wörtern kommst du in einem fremden Land, dessen Sprache nicht deine Muttersprache ist, über die Runden. Der aktive Wortschatz eines deutschen Muttersprachlers umfasst 12.000 bis 16.000 Wörter, der passive ungefähr 50.000. Der Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache wird auf ca. 300.000 bis 350.000 Wörter geschätzt. Wer gerne ein bisschen mehr Statistik und Infos zum Wortschatz möchte, dem lege ich den Artikel des Duden ans Herz, ich fand den superspannend. Aber ich bin halt auch ein Sprach-Nerd.

Aktiver und passiver Wortschatz

Der aktive Wortschatz, das sind die Wörter, die wir selbst aktiv benutzen. Der passive Wortschatz hingegen umfasst Wörter, die wir verstehen, wenn wir sie hören oder lesen, aber selbst nicht nutzen. Um den geht es hier allerdings weniger, wichtig für lebendige Texte ist der aktive Wortschatz. Wenn er dir gelingt, diesen zu erweitern, wirst du mit mehr Leichtigkeit lebendige Texte schreiben, ohne ständig über Formulierungen etc. nachgrübeln zu müssen. Es flutscht dann viel besser beim Schreiben.

Synonyme

Du kennst sie bestimmt, diese Wörter, die jeder verwendet und die so ausgelutscht sind, dass sie dir beim Schreiben kaum aus den Fingern fließen wollen. Beispiele dafür sind effektiv, flexibel, individuell, einzigartig… man könnte ewig so weitermachen. Nimm dir drei bis fünf dieser Wörter, die du selbst auch oft verwendest, und finde Synonyme für sie. Ich hab hier bei mir im Büro eine Pinnwand hängen, da stehen grade Synonyme für „individuell“ drauf. Und immer, wenn mir wieder etwas einfällt, notiere ich es. Weil ich nicht genug Platz für mehrere Pinnwände habe, liegt außerdem eine Klarsichthülle auf dem Schreibtisch mit einzelnen Blättern drin, die genau den selben Sinn und Zweck erfüllen: Sie enthalten ausgelutschte Wörter und Synonyme.

Auf meiner individuellen Pinnwand stehen auch sehr viele Wörter und Begriffe, die nicht generell für „individuell“ verwendet werden können, sondern nur in bestimmten Situationen passen. Das ist auch gut so, denn so bringe ich noch mehr Abwechslung in meine Texte. Da steht also beispielsweise „auf meine/deine eigene Art (und Weise)“, „unverwechselbar“, „anders“, „nah am/an…“, „mit persönlicher Note“ oder auch „beispiellos“. Viele dieser Begriffe assoziiert man im ersten Moment nicht mit „individuell“. Aber in bestimmten Situationen könnten sie passen.

Ich notiere also alles, was mir dazu einfällt. Manchmal muss man einen Satz ein wenig umformulieren, dass es passt. Aber wenn ich dafür seltener die so häufig benutzten Wörter brauche, dann ist das die Mühe wert!

Natürlich gilt das nicht nur für Adjektive, sondern auch für andere Wortarten. „Coach“ ist so ein Wort, das bei mir wohl demnächst auch einen eigenen Zettel bekommt. Oder auch „visualisieren“. Und natürlich kannst du auch so banale Wörter wie „gehen“ oder „Haus“ nehmen und dir dafür Synonyme einfallen lassen. Das ist eine tolle Übung für mehr Sprachbewusstsein. Wenn du „gehen“ durch „laufen“, „schreiten“ oder „schlendern“ ersetzt, bekommt dein Satz eine völlig andere Bedeutung!

Lesen, verdammt nochmal!

Ich weiß, langsam wird es langweilig. Aber es ist halt einfach so: Wenn du gut schreiben willst, musst du viel Gutes lesen. Grade um den aktiven Wortschatz zu erweitern, sind Bücher eine tolle Sache. Und zwar völlig egal, ob Fachbücher oder Romane. Hauptsache, sie sind gut geschrieben. Das findest du übrigens durch einen Blick ins Buch ganz schnell selbst heraus. Schlag einfach mal das Buch auf und lies ein paar Sätze aus der Mitte des Buches. Wenn du auf der Suche nach guter Lektüre bist, schau dir mal diesen Artikel mit Lese-Empfehlungen an.

Besonders gut geeignet, wenn du deinen Wortschatz erweitern willst, sind natürlich die Klassiker. Auch wenn da viele Begriffe und Redewendungen vorkommen, die heute nicht mehr so gebräuchlich sind. Aber mal ehrlich, mit Sprache umgehen konnten sie alle, egal, ob du nun Goethe liest oder Theodor Storm, Bertold Brecht oder Thomas Mann oder Friedrich Schiller oder Ludwig Uhland.

Und natürlich gehen auch gute Übersetzungen aus anderen Sprachen, beispielsweise Harry Potter oder Herr der Ringe. Ebenfalls empfehlenswert, weil unglaublich lebendig geschrieben, sind die Bücher von Robert Galbraith. Das ist übrigens nur ein Pseudonym, in Wirklichkeit steckt hinter dem Herr Galbraith nämlich ein durchaus bekannter Name – allerdings ein weiblicher. Und ich denke, der aufmerksame Leser kann wahrscheinlich sogar erraten, welcher es ist. (Ich wusste es, als ich das erste Buch gelesen habe, aber ich bin mir sicher, dass mir zumindest der Stil seltsam vertraut vorgekommen wäre.)

Fremdwörter übersetzen

Immer häufiger ertappe ich mich dabei, Wörter aus dem Englischen zu nutzen, wenn es eigentlich auch ein deutsches Wort dafür gäbe. Und viele Menschen benutzen gerne Fremdwörter, weil sie denken, sie wirkten dadurch gebildet. Das mag schon sein, aber bei genauem Hinsehen bzw. -hören erkennt man Schaumschläger trotzdem. Beim Schreiben gilt: Du schreibst für deine Zielgruppe. Und die weiß, dass du viel weißt. Das musst du nicht durch den inflationären Gebrauch von Fremdwörtern unter Beweis stellen!

Versuch mal, einen Tag (oder auch eine Woche) lang, Fremdwörter, Anglizismen (gilt auch für Begriffe aus anderen Sprachen wie Französisch) und Denglisch zu vermeiden. Für die meisten Wörter gibt es auch deutsche „Übersetzungen“, aber nicht für alle. Wenn du zu einem Begriff kein passendes deutsches Wort findest, schlage es nach. So erweiterst du deinen Wortschatz und findest dabei auch heraus, welche Wörter man bislang eben nicht „eindeutschen“ kann.

Übrigens: Wenn du meinst, Anglizismen gefährden die deutsche Sprache – das täuscht. Die Zahlen sind zwar schon etwas älter, aber allzu viel hat sich seither nicht geändert. 2013 erklärte der Sprachwissenschaftler Rudolf Hoberg, dass rund 3,5 Prozent der Wörter im Duden Anglizismen seien, aber über 20 Prozent aus anderen Sprachen stammten, über die sich keiner aufregt. Klar, in der Alltagssprache benutzen wir oft Anglizismen. Aber das sind meistens Wörter, die eben häufig vorkommen, ich denke, genau deshalb erscheint es uns auch so viel. Ich habe mich selbst in den letzten Tagen ein wenig beim Sprechen beobachtet und dabei festgestellt, dass die Anglizismen, die ich verwende, sich ständig wiederholen.

Aber ich schweife ab… Nein, eigentlich will ich dich nur sensibilisieren, dich selbst auch einmal beim Sprechen zu beobachten. Denn das wirkt sich natürlich ebenfalls auf deinen Wortschatz aus. Du wirst bestimmte Wörter und Sätze erkennen, die du sehr häufig benutzt. Und wenn du sie erst einmal erkannt hast, dann kannst du sie leicht ersetzen und deine Sprache dadurch abwechslungsreicher gestalten.

Dein Wörter-Notizbuch

Eine weitere Möglichkeit, um deinen aktiven Wortschatz zu erweitern ist dein persönliches Wörter-Notizbuch. Wann immer du ein Wort hörst oder liest, das du zwar kennst, aber selbst nicht nutzt, schreibst du es in dieses Notizbüchlein. Und wenn du mal ein paar Minuten Zeit hast, blätterst du darin und schaust dir die Wörter an, die du notiert hast. So gehen sie nach und nach von deinem passiven in deinen aktiven Wortschatz über.

Falls dir das zu aufwändig ist, kannst du dir auch einen Duden schnappen, darin blättern und Wörter notieren. Oder halt mal gezielt beim Lesen – das musst du ja nicht immer machen, ab und zu mal für ein paar Minuten reicht schon aus. Viele kleine Schritte ergeben auch einen großen. Und den Wortschatz zu erweitern ist ohnehin nichts, was man mal eben so auf die Schnelle tun könnte, sondern eher eine langfristige Aufgabe.

Warum sind lebendige Texte so wichtig?

Es gibt immer mehr Content und deine Leser haben immer weniger Zeit. Die meisten Texte werden daher nur überflogen. Wenn du jetzt denkst: Dann kann ich mir das Schreiben auch sparen! – dann liegst du falsch! Denn wenn der Inhalt großartig ist und der Text gut, dann wird dein Text auch gelesen – dabei ist es sogar völlig wumpe, wie lang dein Text ist! (Ha, ich hab ein neues Wort benutzt – wumpe. Ich sage das so oft, aber geschrieben habe ich es grade das erste Mal. Du siehst, auch mir hat dieser Blog-Artikel weitergeholfen, meinen Wortschatz zu erweitern und neue Wörter zu benutzen.)

Ach ja: Großartig ist dein Text dann, wenn dein Leser genau die Informationen bekommt, die er gerade gesucht hat. Und gut ist er, wenn das Lesen dann auch noch Spaß macht und leicht von der Hand geht, ohne allzu große Anstrengung. Lebendig wird er wie gesagt durch einen großen Wortschatz, wenn du beim Schreiben aus dem Vollen schöpfen kannst.

Deine Leser werden zu schätzen wissen, wenn du beispielsweise klassische Reizwörter durch andere ersetzt – denn diese Wörter (beispielsweise individuell, effizient etc., eben alles, was häufig verwendet wird) verlieren irgendwann ihren Reiz, wenn sie inflationär benutzt werden. Oder wenn du Nuancen herausarbeitest, indem du statt „gehen“ eben „laufen“, „schreiten“ oder „rennen“ schreibst.

Jetzt wünsche ich dir viel Spaß mit meinen Tipps. Berichte doch gerne mal, wie es dir damit ergangen ist, was du umgesetzt hast und welche Fortschritte du bemerkst! Ich freu mich auf deinen Kommentar.

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