In meine Facebook-Timeline wurde kürzlich ein Beitrag von Frauke Schramm gespült, durch den ich auf die Blogparade „Zu blond für Technik“ aufmerksam wurde. Ich muss gestehen, mir ist da erst mal fast der Kragen geplatzt. Aus verschiedenen Gründen. Deshalb hab ich beschlossen: Ich muss da mitmachen! Vielleicht mit einem etwas anderen Ansatz als Technikelfe Sara Menzel-Berger, die die Blogparade ins Leben gerufen hat, sich das gedacht hat. Aber ich muss das einfach loswerden, sonst platze ich! 

„Zu blond für Technik“ – ist erst mal gar niemand! Meistens liegt es daran, dass uns, vor allem uns Frauen, das einfach nur eingeredet wird. Oder dass es jemanden gibt, der den ganzen Technik-Kram übernimmt und man sich selbst nie so wirklich damit befasst. Das führt dann gerne mal dazu, dass man meint, man wäre zu doof dafür. Daran glaube ich aber nicht, denn zumindest die Grundlagen kann sich jeder aneignen.

Gut erklärt ist halb gewonnen

In meinen Augen liegt der Hase ganz woanders im Pfeffer. Nämlich nicht bei demjenigen, der meint, zu blond für Technik zu sein, sondern bei dem, der’s erklärt. Und hier kommen wir auch zur Brücke, die ich zu meinem Job schlagen will, denn das, was ich hier über Technik schreibe, lässt sich auf jedes andere Thema auch anwenden.

Ganz wichtig ist, dass der Erklärende sich in die Perspektive desjenigen hineinversetzt, dem etwas erklärt werden soll. Wo steht die Person grade? Welche Begriffe kennt sie und welche nicht? Und bei welchen gibt es vielleicht Missverständnisse. Ich sag nur Homepage, Website, Webseite… die Begriffe werden von Otto Normalverbraucher oft synonym verwendet, können aber im Gespräch mit Experten zu Problemen führen. Denn die Homepage ist die Startseite, die Website ist das ganze Konstrukt mit allen Unterseiten und die Webseite ist eine einzelne Seite (also beispielsweise die Homepage/Startseite oder die Über mich-Seite) einer Website.

Verwirrende Begrifflichkeiten

Für den Webdesigner sind diese Begrifflichkeiten ganz klar. Wenn er nun aber den Auftrag bekommt „Mach mir mal ne Homepage“, dann muss der Webdesigner hier einen Schritt weiterdenken und sich in die Lage des Auftraggebers versetzen. Denn in den meisten Fällen will der sicherlich nicht nur eine Startseite haben, sondern eben eine ganze Website. In diesem Fall muss man den Unterschied nicht zwingend erklären, so lange dem Webdesigner klar ist, was der Auftraggeber meint. Sinnvoll wäre es trotzdem, weil es die Kommunikation im Verlauf der Zusammenarbeit vereinfacht.

Okay, das Beispiel war vielleicht nicht das Beste. Aber es zeigt doch, dass es wichtig ist, sich auf sein Gegenüber einzulassen. Vielleicht werde aus genau diesem Grund ich so oft bei Technik-Problemen gefragt. Ich bin ja nur so ein Pseudo-Nerd. Also ich hab ein gewisses Grundwissen in Technik-Dingen (also alles, was PC, Smartphone und dergleichen betrifft), aber ich hab mir das alles selbst angeeignet und kann vieles selbst machen, aber so richtig nerdig bin ich dann wohl doch nicht. Ich stehe irgendwo zwischen Nerd und Noob (also demjenigen, der meint, zu blond für Technik zu sein). Deshalb fällt es mir vermutlich besonders leicht, technische Dinge so zu erklären, dass sie auch derjenige versteht, der zu blond für Technik ist: Ich kann mich in ihn reinversetzen, kenne die Fragezeichen, die er in den Augen hat, weil ich selbst dort war.

Neue Herangehensweisen finden

Das war übrigens schon immer mein Ding. Schon in der Schule hat man mir nachgesagt, dass ich in drei einfachen Sätzen das beschreiben kann, wofür andere eine Seite brauchen. Und das Erklären macht mir Spaß. Manchmal erklärt man etwas und wird nicht verstanden. Dann muss man einfach eine andere Herangehensweise finden, um zu erklären. Und irgendwann versteht der andere dann auch, was man meint. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass es eher am Erklärenden liegt, wenn jemand etwas nicht versteht. (Den Willen zu verstehen setze ich hier mal voraus, denn das kann natürlich eine Hürde sein.)

Die Perspektive macht den Unterschied

Bei Texten ist es auch wichtig, dass man sich in die Perspektive des Lesers versetzt. Wo steht er, wo muss ich ihn abholen? Was braucht er an Informationen? Und was muss ich erklären? “Be clear, not clever” heißt eine goldene Texter-Regel. Habt ihr schon mal die Erklärungen im Steuer-Programm Elster gelesen? Hier wird so ziemlich alles falsch gemacht, was man aus Texter-Sicht nur falsch machen kann. Denn verständlich geht anders. Die Erklärungen helfen mir eigentlich nur dabei, dass ich ein bisschen besser weiß, wonach ich googeln muss. Nun könnte man sagen „Dann lass das doch den Steuerberater machen“ – aber der braucht diese Erklärtexte nicht. Für wen sind sie also geschrieben?

Wenn du Texte für deine Website schreibst, Blog-Artikel oder Flyer, dann hab immer deinen Leser und seinen Kenntnisstand im Hinterkopf. Es bringt gar nichts, wenn du von einer tollen Methode XYZ schreibst, die aber keiner kennt und versteht. Schreib stattdessen darüber, wie du das Problem lösen kannst, das dein Kunde grade hat. Oder erkläre die Methode, mit der du arbeitest, das Produkt, das du anbietest – nur eben genau so, dass dein Kunde, dein Leser es versteht und überzeugt ist: Das will ich haben, das hilft mir weiter!

Erklärungsbedürftige Produkte und Dienstleistungen wollen gut erklärt sein

Besonders wichtig ist das übrigens bei all den Dingen, die so erklärungsbedürftig sind wie Technik. Also bei allem, was nicht offensichtlich ist. Eine Seife ist eine Seife – sie riecht gut, hat eine bestimmte Farbe und Konsistenz. Kurz: Man kann sie gut beschreiben. (Klar, für den Experten gibt’s hier auch noch zig Unterschiede, aber wir wollen jetzt man nicht kleinkariert sein!)

Wenn du aber keine Seife verkaufst, sondern zum Beispiel Coaching anbietest und dafür eine bestimmte Methode nutzt, oder wenn du ein Produkt entwickelt hast, das es noch nicht gab, aber das eben erklärungsbedürftig ist, dann hast du’s schwerer und musst erst einmal erklären, was du anbietest, was dein Produkt kann und wie es deinem Kunden hilft. Deine Aufgabe ist, es genau so zu erklären, dass es der Kunde versteht. Du musst also deine Scheuklappen abnehmen und aufhören wie du (also der Experte/die Expertin) zu denken und die Brille des Kunden aufsetzen. Dann klappt’s auch mit den erklärungsbedürftigen Produkten und Dienstleistungen!

Zu blond für Technik oder einfach keine Lust

Etwas anders ist das mit der Technik übrigens, wenn du einfach keine Lust darauf hast. Das ist vollkommen legitim, denn man soll sich ja auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Dann kannst du den ganzen Technik-Kram natürlich abgeben – du bist dann aber nicht zu blond für Technik, sondern einfach nur fokussiert auf das, was du am besten kannst.

Das war also mein Plädoyer für besseres Erklären 😉 Wenn du Lust bekommen hast, bei der Blogparade mitzumachen (es geht übrigens auch darum, dass man über Erfolgserlebnisse mit der Technik berichtet – das hab ich jetzt ausgelassen, obwohl es da so einiges zu berichten gäbe), dann kannst du das noch bis zum 31. März 2019 tun. Lass mir doch gerne auch einen Kommentar da, was du über meinen Artikel denkst, ich freu mich!

2 Kommentare
  1. Frauke Schramm
    Frauke Schramm sagte:

    Liebe Elke, Du sprichst mir aus der Seele!
    In meiner Zeit als Produktmanagerin hab ich irgendwann mal zu einem Kunden gesagt: “Sie wollen doch keinen roten Knopf!” Er war empört 🙂
    Was war passiert? In der Software “tat” eine bestimmte Funktion nicht das, was er wollte. Als Ausweg hatte er sich besagten roten Knopf gewünscht … und ich schlug ihm diesen Wunsch einfach mal ab. Statt dessen fragte ich: Was wollen Sie denn tun, und was tut nicht so, wie es tun soll? Erzählen Sie es mir von Buchhändler zu Buchhändlerin – völlig technikfrei. Die Lösung such ich dann für Sie.
    Das machte er. Und wir fanden eine Lösung, die sofort zur Verfügung stand. Ohne Programmierung. Und der Kunde war glücklich 🙂
    Hätte er direkt mit einem Programmierer gesprochen … au weia …
    Das, was ist, so erklären, dass mein Gegenüber es versteht – eine hohe Kunst. Kann nicht jeder. Sich darum zu bemühen, ist es aber immer wert, finde ich.
    liebe Grüße, Frauke

    Antworten
  2. Gabriele Brandhuber
    Gabriele Brandhuber sagte:

    Liebe Elke, feiner Artikel! Wir (Du und ich) haben bei unseren Beiträgen in sehr ähnlichen Bahnen gedacht und ähnliche Schlüsse gezogen, von daher bin ich begeistert von Deinem Artikel! 😉 Was du über das Steuerprogramm “Elster” schreibst, habe ich gerade erst wieder mit einem Programm zur Verschlüsselung von Datenträgern erlebt. Obwohl ich auf dem Kontinuum nahe am Nerd-Extrem stehe, war die Sprache so technik-lastig, dass die meisten Normalverbraucherinnen spätestens nach dem Schritt 10 von 24 schreiend davonlaufen würden. “Für wen ist dieser Text dann geschrieben?” (dann weiß ich nur besser, wonach ich googeln muss *hihi*) ist eine ganz ausgezeichnete Frage, die ich mir auch beim Schreiben immer wieder stellen muss.
    Schön. Ich mag Dein flammendes Plädoyer für mehr Ehrlichkeit (auch sich selbst gegenüber) auf der einen Seite und mehr Bemühen (verständlich zu sein) auf der anderen Seite.
    Liebe Grüße, Gabi

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