Mein wichtigster Rat an mein Gründer-Ich

Ein Blog-Artikel an einem Donnerstag? Ungewöhnlich, das gebe ich zu. Ich bin aber zufällig über die Blogparade von Sascha Theobald gestolpert, bei der ich unbedingt mitmachen musste – und die endet am heutigen 31. Januar 2019. Und so starte ich nach meiner Blog-Pause also an einem ungewöhnlichen Tag ins neue Blog-Jahr.

Warum aber wollte ich unbedingt bei der Blogparade „Mein wichtigster Rat an mein Gründer-Ich“ teilnehmen? Das hat zwei Gründe: Zum einen möchte ich diesen Rat natürlich wirklich unbedingt weitergeben und finde, die Blogparade ist eine großartige Gelegenheit dafür. Zum anderen finde ich das Thema aber auch für mich im Moment überaus passend. Denn im November bin ich genau zehn Jahre selbständig – und da ist das doch ein toller Opener für mein Jubiläumsjahr! (Psst, ich hab noch ein paar Sachen für dieses Jahr geplant, weil ich finde, so ein Jubiläum muss man einfach feiern. Also lass dich überraschen.) 

Aber nun zum Thema: Mein wichtigster Rat an mein Gründer-Ich. Der ist ganz simpel einfach: TRAU DICH! Lass diese zwei Worte einfach mal sinken, denk drüber nach und mach dir deine eigenen Gedanken dazu, bevor du weiterliest. Ich bin mir sicher, du findest deine eigenen Trau dich’s!

Bei mir sind recht spontan fünf Trau dich’s rausgekommen, die ich jedem Gründer und generell jedem Selbständigen mit auf den Weg geben möchte:

Trau dich, sichtbar zu sein!

Das war tatsächlich eine meiner größten Hürden. Ich wollte nicht sichtbar sein, weil mich das angreifbar macht. Deshalb hab ich jahrelang im stillen Kämmerlein vor mich hin gewurstelt, mich hinter meinem Bildschirm versteckt und mühsam Akquise betrieben – etwas, was mir überhaupt nicht liegt.

Irgendwann war’s dann, als ob jemand einen Schalter umgelegt hätte. Mit neuer Website, neuem Elan und ganz viel Mut habe ich mich getraut, sichtbar zu werden, gefunden zu werden, Vertrauen aufzubauen zu potentiellen Kunden. Heute muss ich keine Akquise mehr machen, denn meine Kunden kommen entweder durch Empfehlungen zu mir oder weil sie mich gefunden haben. Beides hat aber mit der Sichtbarkeit zu tun. Denn empfohlen wird man ja auch nur, wenn andere wissen, was man macht und dass man’s drauf hat. Deshalb: Trau dich, sichtbar zu sein! Es tut auch nicht weh!

Trau dich, vernünftige Preise zu verlangen!

Meine zweite große Hürde waren die Preise. Ich verrate dir mal was, wofür ich mich heute ehrlich gesagt schäme. Aber ich will nicht, dass du den gleichen Fehler machst wie ich: Am Anfang, als ich mich selbständig gemacht hab, hab ich für 20 Euro die Stunde und weniger gearbeitet. Ich dachte mir: 20 Euro haben ist besser als nix. Dass das nicht funktionieren kann, muss ich dir wohl nicht extra erzählen.

Wir dürfen ja nicht von einem Angestellten-Gehalt ausgehen, denn wir müssen Dinge wie Krankenkasse komplett selbst bezahlen, wir haben Versicherungen, wir haben Betriebsausgaben und all diese Dinge, die man als Angestellter nicht hat. Das alles muss mit einkalkuliert werden, ebenso wie der Urlaub, den man definitiv braucht, und Krankheitstage, die man früher oder später auch irgendwann mal hat. Bei mir sind das zwar nicht viele, aber ich hatte auch einfach Glück und nur mal ne Grippe oder ne Migräne oder so Kleinigkeiten – was ist, wenn’s uns mal richtig reinhaut? Wenn wir einen Unfall haben und im Krankenhaus liegen? All das müssen wir berücksichtigen. Außerdem haben wir keinen Arbeitgeber, der uns Weiterbildungen bezahlt, auch das müssen wir selbst tun. Und wenn wir Arbeit abgeben, weil es dafür Experten gibt, dann muss auch das irgendwie finanziert werden.

Aber ich schweife ab… es geht ja ums Trauen. Und damit hatte ich lange Zeit ein echtes Problem. „Das zahlt doch keiner!“ oder „Lieber krieg ich den Auftrag für weniger als ihn zu verlieren“ – diese und ähnlich Gedanken haben mich lange Zeit blockiert. Nach und nach habe ich meine Preise angehoben, weil ich gemerkt hab, dass von 20 Euro Stundensatz nicht leben kann. Inzwischen weiß ich auch, dass ich den Preis, den ich verlange, einfach wert bin.

Denn ich bin gut in dem, was ich tue. Und ich nehme meinen Kunden eine Last von den Schultern, sie müssen sich nicht mit ihren Texten quälen, sondern bekommen richtig geile Texte, die zu ihnen passen und die ihre Kunden mitten ins Herz treffen. Texte also, die meine Kunden wiederum dabei unterstützen, Geld zu verdienen, das sie ohne diese Texte nicht hätten. Warum ein guter Text sein Geld wert ist, hab ich letztes Jahr auch in einem Artikel beschrieben.

Heute schlucke ich zwar auch noch manchmal, wenn ich ein Angebot rausschicke. Aber bisher hat noch niemand ein Angebot abgelehnt, weil er mich zu teuer fand. Es gibt immer mal wieder welche, die verhandeln wollen. Aber – und da bin ich echt stolz auf mich! – da kann ich inzwischen ganz entspannt bleiben und erklären, dass man am Preis nix machen kann, nur an der Leistung. Also klar geht’s billiger, möchten Sie vielleicht auf Satzzeichen verzichten? Auch hier hat die Erfahrung gezeigt, dass fast alle das dann am Ende schlucken. (Und wenn nicht, dann tut’s auch nicht weh, weil dann gibt’s da draußen genügend andere, die meine Arbeit zu schätzen wissen und gerne dafür bezahlen!)

Trau dich, nein zu sagen!

Mein Lieblingspulli hat vorne einen Aufdruck drauf: „Um es mit den Worten aus Shakespeares Hamlet, Akt 4, Szene 5, Vers 28 zu sagen: NEIN!“ Es ist nur ein kleines Wort, aber eines der wichtigsten, die unsere Sprache hat. Und das sage ich nicht, weil ich ein negativer Mensch wäre, im Gegenteil. Aber nein sagen ist wichtig. Und ich musste es erst lernen.

Wenn ich das Gefühl habe, ein potentieller Kunde passt nicht zu mir, dann kann ich heute den Auftrag entspannt ablehnen. Oder wenn jemand einen Auftrag schneller erledigt haben will, als es machbar ist. Am Anfang habe ich jeden Auftrag angenommen. Auch manche, bei denen ich genau wusste, dass sie mich mehr graue Haare kosten als ich brauchen kann. Aus Angst, dass ich nix zu tun haben könnte, dass ich nix verdiene. Das ist natürlich völliger Quatsch!

Bei manchen merke ich schon im Vorgespräch: Das wird nix, das passt nicht! Und dann ist es auch völliger Blödsinn, so einen Auftrag anzunehmen. Das schadet mehr, als dass es nutzt. Der Gesundheit, dem Wohlbefinden und vor allem auch dem eigenen Ruf. Denn der ist bei solchen Aufträgen ernsthaft in Gefahr! Wenn nämlich die Chemie nicht stimmt, dann kannst du dich noch so sehr bemühen, dann wird deine Arbeit nie so gut sein, wie sie sein könnte. Am Ende ist der Kunde unzufrieden und du auch.

Trau dich, um Hilfe zu bitten!

So richtig bewusst wurde mir das erst, als es die Social Media Mutmacherin Frauke Schramm mal offen ausgesprochen hast: Du musst nicht alles alleine machen! Hol dir Hilfe für die Dinge, die du nicht gern machst, die dich unnötig Zeit kosten. Du schreibst nicht gerne? Dann such dir jemand, der deine Texte für dich schreibt (also ich zum Beispiel). Du magst Buchhaltung nicht? Dann lass das jemand machen, der Spaß daran hat! Und du bist überfordert mit dem ganzen Marketing-Kram? Dann hol dir jemand ins Boot, der es dir erklärt, dich dabei unterstützt oder es dir sogar abnimmt. Du kannst nicht alles und du musst auch nicht alles selbst machen!

Und hol dir Hilfe im Sinne von: Such dir jemanden, mit dem du reden und dich austauschen kannst. Ein Business-Buddy, eine Mastermind-Gruppe, eine ebenfalls selbständige Freundin – es ist völlig egal, in welcher Form und wie man es nennt, aber der Austausch ist für mich heute einer der wichtigsten Grundpfeiler. Denn manchmal hat man Scheuklappen auf, da braucht’s einfach den Blick von außen. Und manchmal denkt man so lange über etwas nach, dass man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Ich möchte den Austausch mit Anita Leverenz von der Website-Stube und Silke Steigerwald nicht mehr missen. Die beiden rücken mir den Kopf grade, wenn ich zu viele Flausen darin habe, sie treten mir sanft, aber mit Nachdruck in den Hintern, wenn ich mal wieder am Umsetzen zu scheitern drohe und sie hören einfach immer zu und stehen mir mit Rat und Tat zur Seite.

Trau dich, du selbst zu bleiben!

Oder anders gesagt: Verbieg dich nicht! Denn man merkt, wenn du nur eine Rolle spielst, die dir eigentlich gar nicht entspricht, in der du dich nicht wohlfühlst. Sei du selbst, sei authentisch! Es mag sein, dass du damit den einen oder anderen vergraulst. Aber das sind dann auch Menschen – Auftraggeber – die nicht zu dir passen, mit denen du keine Freude hast und mit deren Projekten du mehr Ärger als sonst was hast.

Das ist eine Art natürliche Selektion. So kommen nämlich fast wie von selbst die richtigen Kunden zu dir. (Nur fast, ein bisschen was musst du schon noch dafür tun. Nämlich dir im Klaren darüber sein, welche Kunden du haben willst, für wen du gerne arbeitest und wer zu dir passt.) Und mal ganz ehrlich: Es macht viel mehr Spaß, für Menschen zu arbeiten, die zu dir passen. Die Arbeit geht dir viel leichter von der Hand – und wird auch viel besser! Das merke ich selbst auch immer wieder.

Fünf Mal trau dich…

Das waren meine fünf Mal „Trau dich!“ und meine Geschichte dazu. Ich hoffe, dass ich damit dem einen oder der anderen weiterhelfen kann. Vielleicht zeigen sie dir auch nur, dass du nicht alleine bist mit deinen Herausforderungen. Denn Herausforderungen sind es immer noch für mich, auch wenn vieles schon viel, viel besser klappt. Aber an allen fünf Punkten werde ich wohl immer dranbleiben müssen, um sie nicht zu vergessen. Somit war es auch für mich wahrscheinlich mal ganz gut, das alles aufzuschreiben.

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