Floskeln

Sie gehen uns leicht von der Hand und sind meistens auch für alle verständlich: Floskeln. Trotzdem machen sie deinen Text nicht unbedingt besser. Deshalb verrate ich dir heute, warum das so ist und was du dagegen tun kannst. 

Was ist eine Floskel?

Lass uns erst einmal klären, was eine Floskel überhaupt ist. In der Antike verstand man darunter eine kurze, knappe und treffsicher formulierte Aussage oder Redewendung. Das Wort kommt vom lateinischen „flosculus“, was so viel bedeutet wie „Blümchen“. Eine Floskel war also eine Ausschmückung.

Floskeln verwässern den Text

Heute sind Floskeln hingegen eher sinnleere Sprachschablonen, die einen Text verwässern können. Die Betonung liegt hier aber auf dem Wörtchen „können“. Denn wie so oft gilt auch bei Floskeln: Ein Einsatz mit Maß und Ziel kann einem Text durchaus Fülle und Inhalt geben. Zu viele Floskeln hingegen solltest du tunlichst vermeiden. Ein hervorragendes Beispiel für die Verwendung von Floskeln ist Loriots Bundestags-Rede:

https://www.youtube.com/watch?v=NkvnGY8i-No

Sind Floskeln schlechter Stil?

Floskeln sind nicht an sich schlecht oder schlechter Stil. So sind beispielsweise die Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ oder auch die Grußformel in einem Brief oder einer E-Mail „Mit freundlichen Grüßen“ auch Floskeln. Sie einfach wegzulassen würde so manchen vor den Kopf stoßen – und zumindest mir käme es auch irgendwie komisch vor. In Texten jedoch solltest du Floskeln sehr gezielt einsetzen, und auch nur dann, wenn sie die Aussagekraft des Textes verstärken. Ein Beispiel für einen durch Floskeln verwässerten Text:

„Ein Stück weit können wir als Polizei in der Situation vor Ort eingreifen, würde ich meinen. Doch sind uns bei Vielem die Hände gebunden. Im Endeffekt liegt es also an jedem selbst, dementsprechend zu reagieren. Wie gesagt, wir haben den Fall einer eingehenden Prüfung unterzogen und Maßnahmen eingeleitet. Mehr können wir aus meiner Sicht nicht tun, ohne dabei rechtliche Grenzen zu überschreiten.“

Dies ist ein rein fiktives Beispiel. Ohne Floskeln wäre dieser Text zwar immer noch inhaltsleer, aber auch deutlich kürzer. Ein weiteres, vielleicht besseres Beispiel:

„Meiner Meinung nach bist du eindeutig zu weit gegangen. Vom Prinzip her magst du recht haben, aber deine Wortwahl war, gelinde gesagt, nicht die feine englische Art. Gesetzt den Fall du entschuldigst dich, besteht in diesem Fall die Chance, dass sie dir verzeiht.“

Ohne Floskeln würde der Text so lauten:

„Du bist zu weit gegangen. Du magst recht haben, aber deine Wortwahl war schlecht. Wenn du dich entschuldigst, verzeiht sie dir vielleicht.“

Hier sieht man auch schön, dass dieser Text zwar kurz und knapp auf den Punkt gebracht ist, aber irgendwie auch nicht so richtig schön klingt. Eine mögliche, schönere Variante wäre:

„Du bist eindeutig zu weit gegangen. Auch wenn du recht hast, war deine Wortwahl nicht die feine englische Art. Wenn du dich entschuldigst, verzeiht sie dir vielleicht.“

Hier gibt es noch sehr viel mehr Möglichkeiten zu variieren, je nachdem, was man hervorheben möchte. In diesem Fall betont man, dass die Wortwahl nicht gut war. Wenn man hervorheben möchte, dass es eine Chance der Versöhnung gibt, es aber eben nicht sicher ist, könnte man sagen:

„Wenn du dich entschuldigst, besteht die Chance, dass sie dir verzeiht.“

Du siehst also, Floskeln haben durchaus ihre Berechtigung. Man sollte sie nur nicht überstrapazieren!

Beobachte dich selbst!

Wenn du also Texte schreibst – egal, ob für deinen Blog oder deine Website oder auch in einer E-Mail – dann achte mal ganz bewusst auf Floskeln. Überlege dir, ob der Einsatz an der jeweiligen Stelle sinnvoll ist oder ob du nicht besser darauf verzichten solltest. Ja, das ist anfangs richtig viel Arbeit! Aber wenn du das mal eine Weile mit allen deinen Texten machst, wirst du sehen, dass du schon beim Schreiben ganz anders herangehst und mehr hinterfragst. Du wirst weniger inhaltsleere Worthülsen benutzen, deine Texte bekommen mehr Tiefgang.

Berichte gerne von deinen Erfahrungen mit Floskeln und auch damit, wie du den Tipp aus diesem Artikel umsetzt. Ich bin gespannt!

3 Kommentare
  1. Silke Steigerwald
    Silke Steigerwald sagte:

    Liebe Elke, ich liebe es, wenn du in die Tasten haust 😉
    Ich mag deine Klarheit und wie du die Fakten auf den
    Punkt bringst, und “locker vom Hocker” gleich noch die
    Lösung präsentierst.

    Danke und liebe Grüße Silke

    Antworten
  2. Michael Melchinger
    Michael Melchinger sagte:

    Hallo Elke, als du Loriot zitiert hast, kam mir die Idee zu diesem fiktiven Dialog:

    »Was machen Sie beruflich?«
    »Ich arbeite im Parlament als Pflege- und Recyclingfachkraft.«
    »Was genau machen Sie da?«
    »Ich fege nach den Debatten die Worthülsen zusammen, poliere sie auf und verkaufe sie teuer an die nächsten Redner.«
    (zynische Selbstdarstellung eines Redenschreibers)

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