Blogger Relations

Da ist sie wieder, diese Mail, die immer mal wieder in meinem Postfach landet:

„Lieber Blogger,

wir haben durch Zufall deinen Blog „www.xyz.de“ entdeckt und finden ihn sehr gut. Deshalb wollten wir fragen, ob du nicht eines unserer Produkte testen möchtest. Natürlich darfst du das Produkt nach dem Test behalten.“

Mails wie diese landen tausendfach, ach, was sag ich: millionenfach in den Postfächern von Bloggern. So auch bei mir – obwohl mein Tech-Blog derzeit brach liegt und ich seit gut einem Jahr dort nichts veröffentlicht habe. 

Wenn die (Alarm-)Glocken läuten

Warum bei mir bei solchen Anfragen die Alarmglocken schrillen und was du besser machen kannst, wenn du mit Bloggern zusammenarbeiten möchtest, die über dein Produkt (oder deine Dienstleistung) berichten sollen, verrate ich dir heute mal, aus erster Hand quasi.

Es geht schon bei der Anrede los. „Lieber Blogger“ oder auch „Liebes Blogger Team“ – da hat sich jemand aber auch null Mühe gemacht, zu recherchieren, wer hier eigentlich bloggt. Sonst wüsste der Mail-Schreiber (oder die Schreiberin) schließlich, dass ich weder ein Team noch ein Blogger bin. Auch gut sind die Varianten „Lieber Herr Schwan-Köhr“ oder auch „Liebe Frau Schwahn-Köhr“ – wobei ich mit ganz viel Phantasie zugebe, das H in Köhr kann einen ja schon mal zu einem weiteren H in Schwan verleiten. Ebenfalls schon gesehen: Der Absender hat den Text der Mail per Copy und Paste eingefügt und dann vergessen, die Anrede zu ändern.

Du sollst nicht lügen!

Weiter geht‘s mit „durch Zufall“ – das ist schlichtweg ein Lüge, und wer sich ein bisschen auskennt, der weiß, dass eine Agentur einen Blog NICHT DURCH ZUFALL findet. Sorry, durchgefallen! Und dann dieses unsägliche „Du darfst das Produkt nach dem Test behalten“ – das steht eigentlich nur für „Du sollst Werbung für uns machen, aber bezahlen wollen wir dich dafür nicht“. Abgesehen davon ist es doppelt lächerlich, wenn‘s beispielsweise um eine Schutzfolie für ein Handy geht.

Professionelle Blogger Relations

So geht man nicht mit Bloggern um! Und schon gar nicht, wenn sie professionelle Arbeit für einen selbst bzw. sein Produkt/Unternehmen leisten sollen. Verhalte dich also selbst auch professionell! Wer eine Anfrage wie die obige verschickt, der braucht sich nicht wundern, wenn eben auch gar keine Antwort zurückkommt. Mir zumindest ist meine Zeit zu schade dafür.

Also, falls du mal in die Verlegenheit kommen solltest, einen Blogger oder eine Bloggerin als Kooperationspartner zu suchen, beachte bitte, bitte, bitte die folgenden Punkte:

  • Recherchiere richtig: Wie heißt der Blogger? Ist es nur einer oder ein ganzes Team? Männlein oder Weiblein? (Bei fast allen Namen lässt sich durch Googeln herausfinden, ob es sich um einen männlichen oder einen weiblichen Vornamen handelt. Und abgesehen davon gibt‘s im Blog oft ein Foto, aus dem das ebenfalls ersichtlich ist.)
  • Nochmal: Recherchiere richtig! Passt der Blog thematisch überhaupt zu dem, was ich anbiete? Und hat mein Angebot/Produkt einen Mehrwert für die Leser? Sollte selbsterklärend sein, trotzdem kommen immer wieder Anfragen, die einfach nicht zum Thema passen oder eben so gar keinen Mehrwert für die Blog-Leser bieten. Wieso sollte ich ein Diät-Produkt auf einem Tech-Blog vorstellen?
  • Erwarte nicht, dass der Blogger kostenlos arbeitet. Wenn es sich nicht grade um einen hobbymäßig geführten Blog handelt, verdient derjenige damit seinen Lebensunterhalt. Abgesehen davon: Wer gute Qualität erwartet, der sollte auch bereit sein, dafür zu bezahlen. Und zwar nicht in Naturalien! Ach ja, auch wenn Links gerne als Währung angesehen werden: Ein Link zum Blog-Artikel auf deiner Website ist keine adäquate Bezahlung!
  • Erkläre dem Blogger nicht, wie er seine Artikel schreiben soll. Mein Blog – meine Regeln! Das ist das oberste Gebot. Der Blogger weiß selbst, wie er seine Leser ansprechen möchte, seine Artikel aufbaut etc. Abgesehen davon sollte ein Blogger immer unabhängig bloggen können, um seine Glaubwürdigkeit zu behalten. Wenn ihm etwas an deinem Produkt nicht gefällt, dann darf – und muss – er das schreiben. Und wenn ein Beitrag werblicher Natur ist, dann muss er auch als solcher gekennzeichnet werden. Im Klartext: Wenn du einen Blogger dafür bezahlst (was du ja solltest!), dass er über dein Produkt schreibt, dann ist es nur korrekt, wenn das im Blog auch so kenntlich gemacht wird. Nur so bleibt ein Blog – und damit auch der Artikel über dich bzw. dein Produkt – glaubwürdig.
  • Verkaufe den Blogger nicht für dumm! Du bist nicht zufällig auf diesen Blog gestoßen, also schreib das auch nicht. Und wenn du nicht wirklich Stammleser bist, dann verkneif dir Sätze wie „Ich lese deinen Blog schon lange…“. Wenn du Stammleser bist, dann hast du auch schon Kommentare hinterlassen (zumindest, wenn du verstanden hast, worum es beim Bloggen geht) und es ist nachvollziehbar, dass du diesen Blog tatsächlich liest. In diesem Fall musst du übrigens auch meinen Namen nicht recherchieren, du kennst ihn! Solltest du aber bei der Recherche für eine passende Platzierung deines Produkts oder deiner Dienstleistung auf einen Blog gestoßen sein, dann sei so ehrlich und sag das auch. Ach ja, ehrlich ist ein gutes Stichwort: Du solltest dem Blogger gegenüber ehrlich sein und deine Absichten kundtun. Die Chance auf Erfolg deines Anliegens ist so sehr viel größer.

So, jetzt muss ich mal tief Luft holen. Hab mich doch ein wenig in Rage geschrieben. Ich denke, du hast spätestens jetzt verstanden, worum es mir geht. Im Prinzip hat das vor allem etwas mit gesundem Menschenverstand und Respekt zu tun. Also für dich ein alter Hut, nicht wahr? Und diejenigen, die es nötig hätten, haben diesen Artikel mit Sicherheit nicht gelesen. Aber mir ist jetzt leichter ums Herz. Und das ist ja auch was wert.

6 Kommentare
  1. Ines
    Ines sagte:

    Danke liebe Elke *zwinkerzwinker*
    Der Artikel passt für mich gerade wie die Faust aufs Auge. Und das aus beiden Richtungen. Ich möchte gerne, dass Blogger meine Produkte promoten UND baue selber gerade zwei Blogs auf. Bei dem ersten geht es ums promoten meiner Dienstleistungen und der zweite soll “rocken” – also so richtig! Ich richte mich da konkret an meine Zielgruppe und möchte sowohl Blogger als auch Firmen ansprechen zwecks Backlinks bzw. Produkttests und Gewinnspielen. Da fragt man sich schon, wie geht das gerade am Anfang? Mein Blog ist ja quasi nioh gar nicht da und ich suche schon Kooperationen. Ein Ranking gibt es nicht und sobald es eins gibt ist es ja erstmal nicht attraktiv. Was kann ich da shon für eine Produktbewertung “verlangen”? Und für andere Blogger bin ich auch noch nicht wirklich attraktiv. Vielleicht hast Du ja noch einen Tipp, für die ganz blutigen Anfänger?
    LG Ines

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  2. Cornelia Meyer
    Cornelia Meyer sagte:

    Toll geschrieben, liebe Elke!
    Ja, es gibt in diesem Bereich leider sehr viel plumpe, anmaßende und unehrliche Vorgehensweisen, die leicht zu durchschauen sind.
    Deshalb freue ich mich immer über ehrliche, offene und direkte Kommunikation, die auf genauen Recherchen beruht.
    Zu einem Vorstellungsgespräche gehe ich ja auch nicht, ohne dass ich mich im Vorfeld über die Firma, deren Produkte, die Philosophie usw. informiert habe.

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  1. […] den letzten beiden Artikeln ging es darum, wie man Blogger richtig anspricht und was man doch bittschön tunlichst vermeiden sollte. Heute gibt‘s noch ein paar Tipps, wie‘s […]

  2. […] an? Diese Frage beantwortet Ihnen Elke Schwan-Köhr von Federführend-Medien in dem Beitrag “Blogger richtig ansprechen – 5 einfache Tipps” und zeigt, wie professionelle Blogger Relations funktioniert. “Im Prinzip hat das vor allem […]

  3. […] Liebe Frau XYZ, vielen Dank für Ihre E-Mail. Ich möchte Ihnen meinen neuesten Blog-Artikel dringend ans Herz legen, denn wenn Sie diesen gelesen haben, dann passieren Ihnen die Fehler, die Sie mit Ihrer E-Mail gemacht haben, zukünftig nicht mehr: Blogger richtig ansprechen – 5 einfache Tipps […]

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