Erfahrungsbericht

Letzte Woche ging es im Blog-Artikel um den Blick hinter die Kulissen. Und weil ich finde, es geht zumindest grob auch in diese Richtung, gibt‘s heute Tipps und Tricks, wie man einen Erfahrungsbericht schreibt. Auch diese Art Beitrag bringt Abwechslung in deinen Blog.

Ein Erfahrungsbericht ist ebenfalls sehr persönlich, denn es geht ja um deine eigenen Eindrücke, die du bei einer Veranstaltung, einem Kurs gesammelt hast. Du kannst natürlich auch über deine Erfahrungen bei einem Projekt berichten, auch das kann sinnvoll sein, um deinen Lesern einen Einblick in deine Arbeit zu geben. In diesem Fall wäre ein Erfahrungsbericht also gleichzeitig auch ein direkter Blick hinter die Kulissen. Und natürlich passt ein Erfahrungsbericht auch, wenn du über ein Produkt oder Tool berichten möchtest. 

Ein Erfahrungsbericht ist subjektiv

Wenn du einen Erfahrungsbericht schreibst, ist das Wichtigste, woran du immer denken solltest, dass es wirklich um deine eigenen Erfahrungen geht und dass diese natürlich subjektiv sind. Du kannst darauf eingehen, wie du dich gefühlt hast und wie etwas bei dir ankam. Wenn du merkst, dass es anderen ganz anders ging, dann ist es zwar sinnvoll, das zu erwähnen, im Vordergrund sollte aber immer dein eigenes Empfinden stehen. Denn du kannst ja nur aus deiner eigenen Sicht berichten.

Beide Seiten der Medaille zeigen

In einem solchen Fall gibt es aber einen kleinen Kniff: Wenn du jemanden kennst, der die Veranstaltung oder um was auch immer es in deinem Erfahrungsbericht geht, ganz anders empfunden hat, dann bitte denjenigen doch, einen Gastartikel für dich zu verfassen. So kannst du deinen Lesern beide Perspektiven aufzeigen.

W-Fragen beantworten

Eine der wichtigsten Grundlagen im Journalismus sind die W-Fragen: Wer, was, wann, wo, warum wie? Manchmal ist von fünf W-Fragen die Rede, manchmal auch von sechs oder sieben. Ich habe mich für die Sechs-W-Fragen-Variante entschieden, weil sie in den allermeisten Fällen alles Wichtige abdecken. Manchmal kann auch „woher kommt die Information“ sinnvoll sein, beim Erfahrungsbericht ist das aber eigentlich klar.

Diese W-Fragen sind oft auch für Blogger hilfreich, zum Beispiel beim Erfahrungsbericht. Das wer ist in diesem Fall meistens klar (nämlich du!). Und eventuell musst du auch nicht alle W-Fragen beantworten, aber als roter Faden sind sie auf jeden Fall hilfreich.

Du solltest am Anfang gleich klar herausarbeiten, worüber du schreibst (was) und in welcher Funktion du dort warst bzw. im Falle eines Produkts/Tools, wie du es nutzt. Und erzähle ruhig auch, warum du diesen Kurs gebucht, diese Veranstaltung besucht oder diese Methode ausprobiert hast. Bei Veranstaltungen, die sich z.B. jährlich wiederholen, ist auch das Jahr wichtig.

Worum ging es und was hast du erwartet?

Du darfst deinen Lesern auch verraten, welche Erwartungen du hattest. Beschreibe auch kurz, worum es bei der Veranstaltung, dem Kurs etc. ging. Denn das ist nicht immer sofort auf den ersten Blick ersichtlich bzw. ist es nicht zwingend gegeben, dass es deinen Lesern auch geläufig ist. Versetze dich also in die Lage der Leser und überlege, was sie wissen und was nicht. Im Zweifelsfall erkläre lieber ein bisschen zu viel als zu wenig.

Über den Tellerrand: In den Leser hineinversetzen

In die Leser hineinversetzen ist ja immer wichtig. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass du dich grade bei einem Erfahrungsbericht, bei dem du vieles, was du vielleicht unterbewusst wahrgenommen hast, verarbeitest, immer wieder bewusst die Perspektive wechseln solltest.

Für manchen Erfahrungsbericht mag es ausreichen, niederzuschreiben, DASS man etwas gut oder schlecht fand. Ich finde es aber gerade im Business-Kontext und mit dem Hintergedanken, dass deine Leser dich ja auch besser kennenlernen sollen sinnvoll, wenn du auch schreibst WARUM du etwas gut oder schlecht fandest. So können die Leser die Situation besser einschätzen – und auch dich. Dass du dabei immer respektvoll anderen gegenüber bist, ist wohl eine Selbstverständlichkeit, ich erwähne das hier nur der Vollständigkeit halber.

Zwischenüberschriften helfen dem Leser

Zwischenüberschriften sind für Blog-Artikel ja immer wichtig. Das gilt natürlich auch für Erfahrungsberichte: Mit gut gewählten Überschriften kannst du deinen Lesern helfen, ganz gezielt die Informationen herauszupicken, die für sie interessant sind. Klar, wir wollen alle, dass unsere Artikel von vorne bis hinten gelesen werden. Aber im Zweifelsfall ist es doch besser, jemand liest nur zwei Absätze als gar nichts, oder?

Ein rundes Ende

Ein Fazit im letzten Abschnitt rundet deinen Artikel ab. Du kannst hier noch einmal kurz zusammenfassen, worum es ging, wie der Gesamteindruck ist und natürlich kannst du auch eine Empfehlung aussprechen (oder eben auch nicht, wenn‘s Quark war).

Noch einen Gedanken möchte ich zum Schluss loswerden. Ich hatte oben erwähnt, dass du auch über ein Projekt einen Erfahrungsbericht schreiben kannst, um beispielsweise deine Arbeitsweise zu zeigen oder deinen potentiellen Kunden zu beschreiben, wie eine Zusammenarbeit mit dir aussehen kann. (Sollte es sich dabei um ein Kundenprojekt handeln, musst du natürlich den Kunden um sein Einverständnis bitten, ist ja klar, oder?)

Wie mutig bist du?

Es gibt aber auch noch eine andere Möglichkeit, die allerdings etwas Mut erfordert. Du kannst auch von Erfahrungen berichten, wenn etwas schief gelaufen ist. Von Niederlagen, Katastrophen und Fehlern. Oder etwas weniger tragisch von Hürden, die du überwinden musstest. Ja, das tut weh, und sowas dann öffentlich zu machen, ist kein einfacher Schritt. Das muss gut überlegt sein. Aber ich finde, man darf auch mal sagen, wenn etwas nicht geklappt hat oder sogar total in die Hose ging. Auch das macht uns greifbar, darum ging‘s ja schon im Artikel letzte Woche. Und bekanntermaßen lernt man aus Fehlern.

Wichtig ist dabei, dass du am Ende die Kurve kriegst und eben auch berichten kannst, was du daraus gelernt hast, was du zukünftig anders machen wirst. Oder du erklärst, warum du bestimmte Dinge eben nicht machst.

Ein Beispiel: Ich hatte kürzlich eine Kundin, die ihre Rechnung nicht bezahlt hat. (Nicht, weil sie nicht zufrieden war, sie konnte tatsächlich nicht, wie ich inzwischen weiß – wobei mir immer noch schleierhaft ist, warum man dann überhaupt einen Dienstleister beauftragt. Aber das ist ein anderes Thema.) Dumme Sache und mit sehr viel Ärger verbunden. Deshalb werde ich zukünftig bei größeren Aufträgen oder bei Aufträgen, die sich länger ziehen nicht erst am Ende eine Rechnung stellen. Es gibt entweder eine Zwischenrechnung oder es wird sogar eine Anzahlung fällig. Darüber könnte ich bloggen, um einfach zu erklären, warum ich das so mache. Und wenn ein Kunde dann nachfragt, kann ich auf diesen Artikel verweisen und muss nicht alles nochmal erklären.

Es geht um dich!

Du siehst also, auch beim Erfahrungsbericht gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, wie so etwas aussehen kann. Die Quintessenz, die du dabei nicht aus den Augen verlieren solltest: Es geht um dich, um deine Erfahrungen, um dein Empfinden. Du musst dabei nicht den objektiven Blick von außen haben, den man beispielsweise von einem Fußball-Kommentator erwartet.

Hast du schon mal einen Erfahrungsbericht geschrieben? Wenn ja, worüber? Und wenn nein, warum nicht? Und worüber könntest du schreiben?

Wenn du einen Erfahrungsbericht von mir lesen möchtest, dann schau dir mal meinen Beitrag über meinen ersten Barcamp-Besuch vor knapp zwei Jahren an.

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