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Text ist Kommunikation. Und ein guter Text hängt davon ab, wie gut wir – also Texter und Auftraggeber – miteinander kommunizieren. Ich möchte dir meine Stimme verleihen, wenn ich für dich schreibe. Das kann ich aber nur, wenn wir entsprechend auch miteinander kommunizieren. Bevor ich mit der Arbeit beginnen kann, steht das Briefing. Warum das wichtig ist und wie du dich vorbereiten kannst, will ich dir heute mal darlegen. Dann weißt du, was auf dich zukommt, wenn du mit mir arbeiten möchtest. Und was eine essentielle Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist.  Weiterlesen

Im Sommer 2015 saß ich bei einem Business-Treffen mit den tollen Mädels von Frau im Business. Und dabei fiel der Satz „Ich bin relativ gut in WordPress.“ Nein, dachte ich mir, du bist nicht relativ gut. Du bist gut. Punkt. Ausrufezeichen! Denn ich durfte schon am eigenen Leib (bzw. der eigenen Website) erfahren, dass Maria Fritsch von C-Brain sich sehr gut mit WordPress auskennt, sie hat mir ganz schnell und unkonventionell bei einem Problem geholfen.

Und genau das habe ich dann auch so in die Runde geworfen. Es war der Ansporn für mich, auch meine eigene Wortwahl mal unter die Lupe zu nehmen. Und zwar sowohl das geschriebene als auch das gesprochene Wort, im beruflichen und im privaten Umfeld. Also kein „vielleicht“ und „relativ“ und „ein bisschen“, kein „sollte“, „müsste“ und „könnte“, sondern „ich bin gut darin“, „wir müssen das und das machen“ und „ich tue“.

Klar kommunizieren – ein Selbstversuch

Rund drei Monate ist das nun her, heute möchte ich über diesen Selbstversuch berichten. Was hat’s mir gebracht? Welche Erkenntnisse habe ich erlangt? Hat sich etwas verbessert? Hier mal ein paar Beispiele, bei denen ich mich selbst korrigiert habe:

# Blog-Artikel: „Diese kleine Artikel-Serie“ – korrgiert zu „diese Artikel-Serie“. Ja, es sind nur drei Artikel. Und ja, das ist jetzt nicht riesig viel. Aber eine Artikel-Serie ist es trotzdem. Und wieso sollte ich mich bzw. meine Blog-Beiträge mit dem Wörtchen „klein“ kleiner machen als nötig? (Wer mich kennt weiß, dass ich ohnehin ein laufender Meter bin – aber ich stehe dazu. Nur unnötig kleiner machen, das muss dann doch nicht sein.)

# E-Mail an einen potentiellen Kunden: „Ich könnte mir das gut vorstellen“ – geändert in „Ich kann mir das gut vorstellen.“ Ist auch so, ich könnte nicht nur, sondern kann tatsächlich. Also sollte man es doch auch so schreiben.

# Zu meinem Mann: „Man sollte mal die Holzkiste füllen, wenn’s jetzt so kalt ist.“ Nee, sollte man nicht. Also weder „sollte“ noch „man“, sondern „muss“ und „du“. Nun kommt es nicht sonderlich gut an wenn man sagt „Du musst die Holzkiste füllen.“ In dem Fall habe ich das schon etwas diplomatischer ausgedrückt mit „Füllst du dann bitte noch die Holzkiste auf bevor wir essen?“ Und es hat funktioniert.

# Himmelherrgottnochmal! Heute (10.11.) gibt’s mal eine dicke Rüge für mich selbst. Ich poste einen Wissensbaum in einer Facebook-Gruppe mit den Worten „Hier mein Bäumchen“ – nein, verdammt, nein! Es ist ein Baum, ein Baum, ein BAUM. Denn auch wenn andere größer und umfangreicher und vielfältiger sein mögen, auch in meinem Baum steht jede Menge drin und wenn ich so drüber nachdenke, dann hab ich doch schon einiges gemacht.

# Bei einem geschäftlichen Kaffeeklatsch zum Kennenlernen auf die Frage „Und was genau machen Sie eigentlich?“ geantwortet mit „Ich bin die Frau für alle Fälle, wenn’s um Texte geht.“ Danach habe ich noch etwas genauer ausgeführt, was ich damit meine und was ich konkret mache. Ich bin mir aber sicher, dass allein durch meine kurze Beschreibung meine Tätigkeit und ich selbst als Person gut bei der Kollegin (im Sinne von: auch selbstständig) im Kopf verankert sind.

Mein Selbstversuch läuft ja nun schon eine Weile, und ich stelle immer wieder fest, dass er tatsächlich Früchte zeigt. Viel seltener nutze ich einschränkende Worte wie „ein bisschen“, „vielleicht“ oder „sollte“. Klar, es gibt immer wieder Rückschläge, und natürlich auch Situationen, in denen diese Wörter angebracht sind. Aber heute bin ich dafür viel stärker sensibilisiert und korrigiere mich immer wieder, wenn nötig. Und ich stelle fest: Eine klare Aussage, ohne einschränkendes Beiwerk, ohne wenn und aber, ohne vielleicht zu treffen fühlt sich auch verdammt gut an!

Männer machen das nicht

In meinen Augen ist es ein typisch weibliches Problem, dass man Dinge kleiner macht, dass man den Konjunktiv benutzt oder Aussagen abschwächt. Und weil es so gut dazu passt, möchte ich jetzt noch ein bisschen weiter ausholen.

Durch Elisa Zunder bin ich auf einen Artikel bei Edition F aufmerksam geworden, der in eine ähnliche Richtung geht. In diesem Fall geht es um die Wortwahl bei Berufsbezeichnungen, und dass sie bei Frauen oft abwertend ist. Auch hier finde ich mich wieder. Als ich in die Selbstständigkeit gestartet bin, habe ich mich oft als „PR-Tussi“ bezeichnet. Bereits damals war meine beste Freundin darüber überaus schockiert, ich fand es irgendwie witzig. Heute denke ich darüber anders.

Abwertende Berufsbezeichnung – und auch noch selbst gewählt

Aus der PR-Tussi wurde im Laufe der Zeit das Mädchen für alles und inzwischen die Frau für alle Fälle, wenn’s um Texte geht. Das ist zwar immer noch breit gefasst, aber schon sehr viel klarer und vor allem weder abwertend noch klein machend. Es drückt genau das aus, was ich mache, in all seinen Facetten. (Okay, ein bisschen erklären muss man wohl schon noch, aber wenn ich’s kurz und knapp in einem Satz auf den Punkt bringen muss, dann passt es.)

Wer wollen wir sein?

Im letzten Abschnitt schreibt die Verfasserin des Artikels bei Edition F, Nora-Vanessa Wohlert, einen klugen Satz: „Wir sollten nachdenken darüber, wer wir sein wollen.“ Sie meint, dass wir uns nicht über das Geschlecht definieren sollen, sondern darüber, was – oder besser gesagt: wer wir sein wollen. Zu diesem Schritt gehört auch eine Portion Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Und wiederum ein Teil dessen ist auch unsere Wortwahl, die Art und Weise, wie wir kommunizieren. (Dazu gibt es sehr spannende soziolinguistische Studien, wer sich dafür interessiert sollte einfach mal nach „Soziolinguistik Männer Frauen“ googeln – wenn ich meine Hausarbeit zu diesem Thema noch irgendwo finde, dann stelle ich sie euch noch zum Download zur Verfügung, unglaublich spannendes Thema!)

Geschlechtertypische Stärken nutzen und Schwächen kennen

Ich muss dazu sagen, dass ich der Aussage „Wir sollten uns nicht über unser Geschlecht definieren“ nur teilweise zustimme. Ich halte nichts vom Gender-Einheitsbrei. Wenn wir es uns zunutze machen können, dann sollten wir uns auch über unsere Weiblichkeit definieren und unsere Stärken ausspielen (und uns über unsere Schwächen bewusst sein) – aber das ist meine persönliche Meinung, und die hier näher auszuführen, das würde eindeutig den Rahmen sprengen und wäre auch nicht angebracht.

Allerdings bin ich sehr wohl der Ansicht, dass man sich bewusst sein sollte, was zum Beispiel typisch weibliche Eigenschaften sind, und diese dann zum eigenen Vorteil nutzen. Und mir ist auch klar, dass wir Frauen, wenn wir uns in einem männerdominierten Umfeld bewegen, uns ein gutes Stück weit anpassen müssen, sonst gehen wir in der Macho-Welt der Männer unter. (Und das, liebe Männer, ist jetzt wirklich nicht böse gemeint!)

Welchen Dienstleister hätten Sie denn gerne?

Stellt euch vor, ihr nehmt eine Beratung von einem potentiellen Dienstleister in Anspruch. Der erste sagt euch „Da sollte man vielleicht mal nach X und Y schauen, ob man da was machen kann.“ Der zweite Dienstleister meint „X und Y müssen auf jeden Fall überarbeitet werden.“ Für welchen entscheidet ihr euch? Ich persönlich würde aus Antwort 1 herauslesen „Ich bin unsicher, ich weiß nicht, ob das nötig ist und ob ich das kann.“ Antwort 2 hingegen sagt mir „Da hat sich jemand was angeschaut und bringt die Schwachstellen auf den Punkt, die können wir jetzt gemeinsam ausmerzen.“

Macht den Selbstversuch!

In diese Kerbe schlagen auch Stella Damm und Petra Czanik von Solebenwieichwill mit ihrem Artikel „Bremsen Sie sich aus? Wie achtlos Dahingesagtes und negativ beeinflussen kann“. Ihr seht, das Thema beschäftigt viele von uns, manche sicherlich auch unbewusst. Mein Tipp an euch: Startet doch auch mal einen Selbstversuch. Nehmt eure Wortwahl einfach mal etwas genauer unter die Lupe. Achtet nicht nur darauf, was ihr sagt, sondern auch wie ihr es sagt (oder schreibt). Und hinterlasst mir doch einen Kommentar, wie es euch damit ergangen ist – ich bin gespannt!