Groß- und Kleinschreibung

Es war so einfach in der Schule: Im Englischunterricht hat man uns beigebracht „Ich, Gott und England schreibt man immer groß.“ Und wenn man sich daran gehalten hat, dann hat man zumindest bei der Groß- und Kleinschreibung so gut wie nie etwas falsch gemacht.

Im Deutschen ist das ungleich schwieriger. Daher habe ich heute mal die Grundregeln für die Groß- und Kleinschreibung für euch zusammengefasst. Mein Eindruck ist, dass die Großschreibung meist weniger das Problem ist als die Kleinschreibung, aber das ist wirklich nur mein subjektiver Eindruck. (Hinterlasst mir doch gerne einen Kommentar dazu!)

Großschreibung: Am Satzanfang, Substantive, Namen

Einfach ist die Sache am Satzanfang. Denn egal welches Wort, welche Wortart da steht, am Satzanfang schreibt man groß. Punkt. Was für den Satzanfang gilt, gilt auch nach dem Doppelpunkt oder in Anführungszeichen: Man schreibt hier groß. Großgeschrieben werden außerdem Substantive (Nomen, Hauptwörter) wie Haus, Pferd, Land, Klavier etc. Dazu zählen auch Namen – von Menschen, Tieren, Städten, Ländern.

Ebenfalls groß: Substantivierungen

Etwas komplizierter wird es bei Substantivierungen, also bei Wörtern, die ursprünglich kein Substantiv sind, aber als solches gebraucht werden. Also zum Beispiel:

„Das Schreiben fällt mir leicht.“

Schreiben ist eigentlich ein Verb und müsste daher kleingeschrieben werden. In diesem Fall wird es jedoch als Substantiv verwendet (es hat auch einen bestimmten Artikel) und wird daher großgeschrieben. Oder auch:

„Das Ganze wird total überbewertet.“

Ganz ist eigentlich ein Adjektiv und müsste daher kleingeschrieben werden. Aber auch hier wird es als Substantiv gebraucht und hat einen Artikel bekommen, daher muss man es groß schreiben.

Achtet auf den Artikel

Wenn es sich nicht um Namen (Menschen, Städte, Länder…) handelt, dann ist der Artikel – der, die das bzw. ein und eine – ein guter Indikator dafür, dass man etwas großschreibt. Allerdings darf man sich hier nicht von Adjektiven täuschen lassen, die manchmal zwischen dem Artikel und dem Substantiv stehen, also zum Beispiel „das große Haus“, „die grüne Pflanze“ oder „der letzte Abend“. Adjektive, das sind die kleinen Wörtchen, die etwas beschreiben (groß, klein, rot, nett, liebenswert….).

Wir tun vielleicht Großes, aber wir schreiben es klein

Hach, was für ne nette Überschrift, ich muss selbst schmunzeln. Aber es passte einfach so wunderbar. Verben (Tunwörter, also Wörter, die das beschreiben, was jemand tut) werden kleingeschrieben. Also: „Ich gehe in den Garten.“ „Herr Maier fährt Auto.“ oder „Das Fell der Katze glänzt.“

Wenn aus einem Verb ein Substantiv wird, dann wird es großgeschrieben – hatte ich ja oben bereits erwähnt. Ein guter Indikator ist auch hier der Artikel. Ein Beispiel: „Ein Raunen ging durch die Menge“. Eigentlich ist „raunen“ ein Verb, etwas, was man tut. In diesem Fall wird es aber zum Substantiv, bekommt einen (unbestimmten) Artikel und muss großgeschrieben werden.

Adjektive – auch große Eigenschaften schreibt man klein

Adjektive (Eigenschaftswörter, Wie-Wörter) sind die Wörter, die unsere Sprache bunt und abwechslungsreich machen. Wir nutzen sie, wenn wir etwas näher beschreiben wollen – siehe Beispiel oben (das große Haus, die blonde Frau, die südliche Hemisphere etc.). Auch sie werden kleingeschrieben.

Manchmal jedoch tarnt sich ein Adjektiv als Substantiv bzw. wird als solches verwendet. Natürlich hab ich auch hierzu ein Beispiel: „Das Blaue vom Himmel lügen“ – blau ist eigentlich ein Adjektiv, denn es beschreibt, wie etwas ist. Oder „das Gelbe vom Ei“, um bei den Farben zu bleiben. Aus dem Adjektiv wird ein Substantiv, was man am voranstehenden Artikel erkennt.

Ausnahmen bestimmen die Regel

Ja, die Sache mit den Ausnahmen…! Die deutsche Sprache wäre so einfach, wenn die Ausnahmen nicht wären. Und dann gibt’s da noch die Ausnahmen von den Ausnahmen. Auf alle einzugehen würde – ich weiß, ich wiederhole mich – den Rahmen sprengen. Daher habe ich auch nur die wichtigsten Grundlagen zusammengefasst. Wenn ihr die verinnerlicht und anwendet, dann seid ihr in den meisten Fällen auf der sicheren Seite.

Einen vertiefenden Artikel wird es nächste oder übernächste Woche noch geben. Alle, die jetzt schon gern noch mehr zum Thema Groß- und Kleinschreibung wissen möchten, verweise ich noch auf folgende Websites, auf denen ausführlich auch die Besonderheiten und Ausnahmen beschrieben werden:

Duden.de
orthografietrainer.net
DeutschOnline.de von Udo Klinger